Interview mit Althea Thompson
Projektleiterin im Kinderdorf Thailand
CFI-AKTUELL Februar 2026
Als Althea Thompson 2009 zum ersten Mal nach Thailand reiste, dachte sie, sie komme nur für eine kurze Hilfsreise – schließlich ist sie sechs Jahre vor Ort geblieben. Heute reist sie mehrmals im Jahr nach Thailand. Im Interview erzählt sie von Kindern wie Bibi, deren Lebensgeschichten sie bis heute begleiten. Sie beschreibt, warum sie diese Arbeit trotz aller Herausforderungen nicht mehr aus ihrem Leben wegdenken kann.
„Eigentlich wollten wir nur helfen …“
Althea, wie bist du zum Kirsten Jade Rescue Centre gekommen?
„Zum ersten Mal war ich 2009 in der Region – eigentlich für eine medizinische und praktische Hilfsreise mit meiner Gemeinde. Wir waren zuerst in Kambodscha, sind über die Müllhalden gelaufen und haben gesehen, wie die Menschen dort leben. Später durften wir die neuen Häuser sehen, die gebaut worden waren. Danach ging es weiter nach Thailand, in ein Kinderheim. Dort kam ein Mädchen, Duan, auf uns zu und fragte meinen damaligen Mann und mich, ob wir ihre Eltern sein könnten.
Das ging mir so tief ins Herz, dass wir von da an alle sechs Monate zurückkamen – fünf Jahre lang. Wir haben Weihnachten mit den Kindern gefeiert, im Gästehaus gewohnt und haben den Alltag miteinander geteilt: Hausaufgaben, gemeinsame Mahlzeiten, Ausflüge, alles, was dazugehört. 2014 habe ich dann die Stelle als Administratorin angenommen – ich glaube, man dachte sich: Wenn sie schon dauernd da ist, können wir sie auch ganz dabehalten. Sechs Jahre lang habe ich dort gelebt.“
„Warum ich diese Arbeit tue …“
Gibt es eine Begegnung, die dich bis heute begleitet?
„Eine Geschichte trage ich immer in meinem Herzen: die von einem kleinen Jungen, den wir Bibi nennen. Wir hatten bereits seine drei Cousins aufgenommen, deren Mutter bei der Geburt gestorben war. Bibi lebte in einem Bergdorf. Seine Mutter arbeitete auf den Feldern und versorgte gleichzeitig ihre eigenen Eltern; ihr Mann hatte sie verlassen. Fast drei Jahre lang trug sie Bibi auf dem Rücken, während sie arbeitete. Irgendwann ging es nicht mehr – und ihr Arbeitgeber erlaubte ihr nicht mehr, ihr Kind noch länger mitzubringen. Wir nahmen Bibi auf, weil auch seine Großeltern krank waren.
Erst später wurde klar, wie schlecht es seiner Mutter ging. Sie hatte eine schwere Nierenerkrankung, wahrscheinlich als Folge der Spritzmittel auf den Feldern, und musste in einer Bambushütte Dialyse durchführen. Ich vermute, dass sie an einer Infektion gestorben ist. Als sie uns ihren Sohn in die Arme legte, habe ich gesehen, wie ihr Herz gebrochen ist.
Bibi war das erste Kind, das wir selbst aus einem Dorf abgeholt haben. Er ist mir bis heute besonders nah. Inzwischen ist er ein fröhlicher Teenager – und auch seine Cousins haben ihren Weg gemacht. Diese Geschichte erinnert mich jeden Tag daran, warum wir diese Arbeit tun.“
Ihre Spende hilft
Wenn Sie diese Arbeit weiter mittragen möchten, freuen wir uns sehr über Ihre Unterstützung. Ihre Spende hilft, dass Kinder wie Bibi nicht nur gerettet werden, sondern Schritt für Schritt zu selbständigen jungen Erwachsenen heranwachsen dürfen.
