Auf eigenen Beinen
Abschiedsfeier im Kongo
CFI-AKTUELL Oktober 2025
Neulich wurde im Kinderdorf „Patmos“ im Kongo eine sogenannte ‚Unabhängigkeits-Zeremonie‘ gefeiert: Zwei junge Männer, Henri Kasereka und Japhet Kalele, traten nach 21 Jahren Betreuungszeit ihren Weg auf eigenen Beinen an – ein bedeutender Schritt in Richtung Selbstständigkeit.
Die Rede zum Start: Vision & Realität
Die Veranstaltung begann am Vormittag unter blauem Himmel. Projektleiter Désiré Murhima eröffnete die Feier mit emotionalen Worten. Er zeichnete die Philosophie des Kinderdorfs auf, benannte die vielen Herausforderungen, denen sich das Dorf stellen muss und würdigte die Erfolge. Der Wandel – vom betreuten Kind zum eigenständigen jungen Erwachsenen – ist mehr als Symbolik: ein sichtbarer Beleg für das Ziel, Jugendliche auf eigenen Beinen zu begleiten und nicht dauerhaft abhängig zu machen.


Bildung, Beruf und Sozialkompetenz
Henri und Japhet haben in dieser Zeit Bildungsabschlüsse erreicht: Primar- und Sekundarschule, Universitätsstudium und Berufsausbildung. Doch das allein reicht nicht.
Im Alltag wurden sie auch in Kompetenzen wie Durchhaltevermögen, Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftssinn gestärkt – Fähigkeiten, die für die Selbstständigkeit notwendig sind, besonderes in einem Umfeld mit vielen Unsicherheiten.
Ein junger Vertreter der Absolvent*innen richtete bewegende Worte an die Anwesenden: er schilderte, wie schwierig der Übergang vom behüteten Dorf ins Leben außerhalb war, welche Unsicherheiten bestanden – und wie wichtig die Unterstützung und die Gemeinschaft waren, die sie erleben durften. Er motivierte Henri und Japhet, den Weg mit Mut weiterzugehen und die Erfahrungen nicht nur für sich selbst, sondern für andere nutzbar zu machen.
Die „Mitgift"
Um den Schritt in die Selbstständigkeit zu erleichtern, überreichte das Team jedem der beiden einen kleinen Laptop und Mittel aus dem sogenannten „Survival Fund“. Diese Ausstattung soll helfen, die erste Zeit auf eigenen Beinen zu bewältigen – für Unterkunft, Transport, Lebenshaltungskosten und weitere wichtige Bedarfe. Es handelt sich damit nicht um dauerhafte Unterstützung, sondern um eine gezielte Starthilfe.


Gemeinschaft und Feier als
Ausdruck von Wertschätzung
Im Anschluss daran folgte ein gemeinsames Festmahl. In dieser besonderen Zeremonie kochte jedes Haus des Kinderdorfs selbst, sodass ein vielfältiges Buffet entstand: Reis mit Huhn und Fisch, Kochbananen, Gemüsegerichte, Pfannkuchen und weitere Speisen – für die Kleinsten auch Süßes und Gebäck. Das ganze Dorf war da: die Haus-Mütter, die Kinder, Mitarbeiter. Allen feierten gemeinsam den Neustart.
Die Situation im Kongo
In der Demokratischen Republik Kongo ist die Situation für viele Kinder extrem herausfordernd: Jahrzehntelange Konflikte, Armut und fehlende Perspektiven bestimmen den Alltag. Schätzungsweise 72 % der Bevölkerung leben in extremer Armut (weniger als 2,15 USD/Tag).
Das Bildungs- und Gesundheitssystem steht vor gewaltigen Hürden. Für zahlreiche Familien sind Schulgebühren, Unterrichtsmaterialien oder Transport schlicht unbezahlbar. Viele Jugendliche, vor allem Mädchen ab 15 Jahren, erreichen noch nicht einmal Grundkompetenzen im Lesen und Schreiben. Lehrerinnen und Lehrer sind oft unzureichend ausgebildet, Schulgebäude baufällig und die Ausstattung mangelhaft.
Dazu kommt, dass der Kongo reich an Rohstoffen ist. Das bringt oft mehr Leid als Gewinn für die Bevölkerung: Der Nutzen bleibt häufig in den Händen externer Konzerne, während Umweltbelastungen und Ausbeutung zunehmen. In Regionen um Bergwerke führt das oft zu den schlimmsten Formen von Kinderarbeit
Werde Teil einer Erfolgsgeschichte –
mit einer Patenschaft oder Spende
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie anspruchsvoll es ist, sich auf eigenen Beinen zu stellen. Für Kinder und Jugendliche ist der Weg zur Selbstständigkeit voller Stolpersteine – und zugleich umso wichtiger.
Projekte wie das Kinderdorf „Patmos“ spielen hier eine wichtige Rolle: Sie bieten langfristige Betreuung, stabile Lernbedingungen und begleiten junge Menschen gezielt in der Übergangsphase.
Die Unabhängigkeitszeremonie sendet ein klares Signal: Dass Bildung, Struktur und Gemeinschaft nicht bei der Volljährigkeit enden – sondern dass das Potenzial dieser jungen Menschen auch danach weiter gefördert werden kann.
Wir danken allen, die uns auf diesem Weg begleiten – durch Patenschaften, Spenden oder einfach durch ihr Interesse an unserer Arbeit. Ihre Unterstützung macht den Unterschied.
